Keke Topp macht‘s mit Köpfchen

Uhr Nicolas Tréboute (Rotenburger Kreiszeitung) und Michael Brinkmann
Österreichs Keeper Matteo Bignetti ist geschlagen: Keke Topp (links) besorgt in der 58. Minute per Kopf den Ausgleichstreffer. Am Ende siegt die DFB-Auswahl mit 2:1.Foto: Brinkmann

Rotenburg. Er rackerte, war ein ständiger Unruheherd und suchte immer wieder den Torabschluss. Doch was Keke Topp auch anstellte, immer wieder war entweder ein österreichisches Abwehrbein dazwischen oder dem Stürmer der deutschen U 16-Fußball-Nationalmannschaft fehlte die letzte Präzision. Dieses Urteil hatte jedoch nur bis zur 57. Minute Bestand. Dann segelte ein Freistoß von Ricardo Schwarz in den Strafraum, Topp nickte zum 1:1 ein und war bei seinem Heimspiel vor 2019 Zuschauern im Rotenburger Ahestadion Wegbereiter zum 2:1 (0:1)-Erfolg über den Nachbarn aus der Alpenrepublik.

„Das ist natürlich etwas ganz Besonderes, hier zu treffen, auch noch vor so einer Kulisse“, gestand der 15-jährige Gnarrenburger, der sich im Abschlusstraining am Sonnabend leicht am Fuß verletzt hatte, sich es sich aber nicht nehmen ließ, in seinem Heimatlandkreis von Beginn an aufzulaufen. „Mit Salbe und Adrenalin ging es“, beschwichtigte Topp, der seit seinem neunten Lebensjahr in der Jugend des SV Werder Bremen auf Torejagd geht.

Drei Tage nach der 0:1-Niederlage in Delmenhorst gegen denselben Kontrahenten präsentierte sich die Elf von DFB-Trainer Michael Prus von Beginn an fokussiert, gefiel durch eine klare Spielanlage und diktierte die Begegnung. Doch sowohl der Werderaner Liam Kümmritz, der am stark parierenden Gäste-Keeper Matteo Bignetti scheiterte (20.), als auch Hertha-Spieler Anton Kade (33.) ließen die besten von mehreren guten Gelegenheiten verstreichen.

Auch die Österreicher erspielten sich vor allem durch Kontersituationen mehrere gute Möglichkeiten, gingen aber durch einen dicken Bock von Valentin Rommel in Front. Der deutsche Schlussmann ließ eine harmlose Flanke von Tobias Hochreiter ins eigene Netz flutschen (34.). „Das ist halt das Leben eines Torhüters“, zuckte Coach Prus mit den Schultern: „Er soll einfach weiterspielen.“

Das tat Rommel, der nur vier Minuten später gegen den frei auf ihn zustürmenden Hochreiter die Oberhand behielt, ebenso wie das restliche DFB-Team.

Nachdem Keke Topp ausgeglichen hatte und wenig später unter dem Jubel der Zuschauer vom Feld ging, brachte Prus noch einmal frischen Wind von der Bank. Joker Samuel Bamba (Borussia Dortmund) ließ gleich drei österreichische Verteidiger über links ganz als aussehen und bediente den erst zwei Minuten zuvor eingewechselten Maximilian Wagner – 2:1 (71.). „Das war wirklich gut. Gerade nach dem Fehler von Valentin hat meine Mannschaft den absoluten Siegeswillen gezeigt“, freute sich Prus nach dem dritten Sieg einer deutschen U 16 in Rotenburg im vierten Spiel (ein Unentschieden).

Für Keke Topp, für den heute wieder der Schulalltag an der Oberschule beginnt, war der Tag mit dem Abpfiff noch nicht vorbei. Er musste am Spielfeldrand fleißig Autogramme schreiben. Viele Bekannte aus Gnarrenburg waren unter den Zuschauern. Und natürlich auch viele Daumendrücker aus der Familie. Neben seinen Eltern Antje und Fidi auch seine Großeltern Grete und Hans-Wilhelm sowie seine Tante Ute, ehemalige Handball-Bundesligaspielerin beim BSV Buxtehude (1989 bis 1992). Sie freuten sich mit ihm über sein erstes Tor für Deutschland.

„Für Antje und mich war das heute sehr, sehr emotional“, so sein Vater. Und sein Onkel Heiko Hanschen hatte es ohnehin schon gewusst: „Der Junge macht in der zweiten Halbzeit noch sein Tor“, hatte er in der Pause den richtigen Riecher.

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